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Tiny House statt Studentenwohnheim

Tim Hepperle ist 21 Jahre jung und schon Hausbesitzer: Er hat ein Tiny House gebaut.
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Statt Tausende Euro in die Miete für die Studentenbude zu stecken, hat sich Tim Hepperle aus Neidlingen lieber gleich ein Haus gebaut: Ein 21 Quadratmeter großes Tiny House auf Rädern.

NeidlingenDie finanzielle Rechnung von Tim Hepperle ist ganz einfach: Wenn er sich für das Studium in Biberach ein Zimmer mietet, kostet ihn das bei 350 Euro im Monat in drei Jahren knapp 13 000 Euro. Für diese Summe könnte er sich doch stattdessen ein eigenes Haus bauen. Ein Haus für diese Summe? Ja, denn es ist ein Tiny House mit 21 Quadratmetern, erbaut auf einem LKW-Anhänger. Es ist ein Haus, in das Tim Hepperle bereits unzählige Arbeitsstunden investiert hat. „1000 Stunden bestimmt“, schätzt er, genau erfasst hat er es nicht. Möglichen Nachahmern sind dieselben idealen Bedingungen zu wünschen – etwa einen Zimmermeister als Vater, in dessen Betrieb es einen überdachten Hof gibt, auf dem das Haus gebaut werden kann, der zudem einiges Holz beisteuert, auch das ganz harte und teure Holz für den Küchenboden. Durch seine Ausbildung bei Holzbau Jakob in Kirchheim bringt Tim Hepperle das nötige Fachwissen mit. Wenn seine All-inclusive-Ausbildung beendet sei, sagt er, werde er Zimmermann, Bachelor of Engineering und auch noch Meister sein.

Wer um diesen Preis ein ganzes Haus bauen will, muss kostenbewusst vorgehen. Also griff Tim Hepperle auch auf gebrauchtes Material zurück. „Diese Haustür kostet normalerweise 4000 Euro, ich habe nur 400 Euro bezahlt.“ Die Tür ist neu, aber sie passte woanders nicht, ein Handwerker hatte dort falsch gemessen. Die Wiederverwendung von Bauteilen ist nicht nur günstig: Sie ist, das ist dem Erbauer sehr wichtig, auch nachhaltig. Die ebenfalls gebrauchten Fenster haben Dreifachverglasung. Die Dämmung ist 14 Zentimeter dick und aus Holzfaserplatten. „Als Zimmermann kann man nicht reinen Gewissens eine PU-Dämmung verbauen“, sagt Tim Hepperle. Das Flachdach ist mit einer einzigen Bahn Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk (EPDM) bedeckt: „Das ist ein Material wie ein Fahrradschlauch.“ Das Dach ist bereits für die Aufnahme von Solarzellen vorbereitet, die Leerrohre liegen ebenfalls. Auch der Platz für Batterien ist reserviert, auch wenn es sie aus Kostengründen noch nicht gibt. Die gesamte Elektroinstallation übernahm ein Onkel, der praktischerweise Elektrikermeister ist. Geheizt wird elektrisch. Das sei ein Kompromiss, sagt Tim Hepperle. „Der Vorteil ist, dass ich mit der Anlage auch kühlen kann. Wenn ich Solarzellen habe, kann ich mit dem produzierten Strom im Sommer so viel kühlen wie ich will.“ Ein Holzofen wäre für das kleine, gut isolierte Haus dagegen zu groß, selbst das kleinste Modell.

Wer das kastenförmige Gebäude von außen sieht und dann über die stabile Metalltreppe – Tim Hepperle bekam sie geschenkt – betritt, ist erstaunt, wie heimelig und zugleich geräumig das Tiny House innen ist. Der Erbauer hat geschickt mit der Schwerkraft gespielt, die eine Seite des Schreibtischs ist mit einem Drahtseil an der Decke aufgehängt und die massive Tischplatte scheint zu schweben. Das ausziehbare, große Bett ist unterhalb des Schreibtischs zu finden, daneben ist noch ein Stauraum verborgen. Auch für eine funktionelle Küchenzeile und eine Waschmaschine ist Platz. Und eine solch schicke Dusche wie in Hepperles Haus hätte mancher gerne in seiner „normalen“ Wohnung.

Auf 10 000 Euro hat Tim Hepperle die Kosten anfangs geschätzt, er denkt, dass er das Budget einhalten kann. Für ihn ist der Bau eine gute Praxisübung. Er ist stolz auf sein eigenes Werk und freut sich auch über das große Interesse daran: „Beim Tag der offenen Tür waren rund einhundert Leute da. Insgesamt haben sich einige hundert Leute das Tiny House angesehen. Auch Regio TV war schon hier.“ Wer als Besucher das Projekt unterstützenswert fand, konnte eine Spende in den Briefkasten werfen.

In Biberach steht das Tiny House bei einem Bauern, mit Anschluss ans Stromnetz, an Wasser und Abwasser, per Zähler wird abgerechnet. Das Internet gibt es vorerst per Funkverbindung. Für den Transport dorthin entschied sich Tim Hepperle für einen Traktor. Eine eigene Hausnummer hat das Tiny House in Biberach aber nicht.

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